Die Neuapostolische Kirche Schweiz

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„Komm, Heiliger Geist“ - Studientagung an der Universität Fribourg
04.07.2017 / Zürich/Schweiz
Das Studienzentrum Glaube und Gesellschaft der Universität Fribourg veranstaltete vom 21. bis 23. Juni 2017 eine Studientagung unter dem Titel „Komm, Heiliger Geist“. An die 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten den interessanten Beiträgen namhafter Referenten verschiedener christlicher Kirchen.

„Der Heilige Geist ist der Reformer, der Kirche und Gesellschaft erneuert und transformiert.“ Mit diesen Worten Dr. Walter Dürrs, des Direktors des Studienzentrums für Glaube und Gesellschaft, wurden die vierten Studientage eröffnet. Hochkarätige Würdenträger aus zahlreichen kirchlichen Traditionen waren anwesend: der Erzbischof von Canterbury Justin Welby, Ehrenoberhaupt der anglikanischen Kirchengemeinschaft, seine Exzellenz Kardinal Christoph Schönborn von der römisch-katholischen Kirche, Metropolit Serafim Joantă von der rumänisch-orthodoxen Kirche, die Präsidentin des Deutschen Evangelischen Kirchentages von 2017, Christina aus der Au sowie der anglikanische Bischof von Kensington Graham Tomlin. Zu den Teilnehmern der diesjährigen Studientagung zählten weiter namhafte Professorinnen und Professoren der Theologie aus dem In- und Ausland sowie zahlreiche weitere Vertreter verschiedener kirchlicher Traditionen. Als Vertreter der Neuapostolischen Kirche nahmen Apostel Volker Kühnle, Hirte Walter Hessler und Evangelist Andreas Grossglauser teil.

Das christliche Zeugnis verbindet
Die Studientage begannen am Montagvormittag mit einem Vortrag des Neutestamentlers aus St. Andrews (Schottland), Prof. N.T. Wright. Er betonte das Wirken des Heiligen Geistes bei der Schöpfung, bei der Neuschöpfung in Jesus Christus sowie an der Vollendung der Welt. Der Erzbischof von Canterbury Justin Welby identifizierte drei Prioritäten für die heutige Kirche: die Wiederbelebung des Gebets, die Versöhnung untereinander und das Zeugnis des Glaubens für die Welt, das sich im Dienst in der Liebe zum Nächsten äußert. Christoph Kardinal Schönborn betonte aus eigener Erfahrung die Wichtigkeit der verschiedenen vom Heiligen Geist inspirierten Aufbruchsbewegungen, die in Geschichte und Gegenwart belebend für die Kirche wirkten. In einem gemeinsamen Gespräch zwischen Prof. Walter Dürr, Erzbischof Welby und Kardinal Schönborn wurde das christliche Zeugnis als das Verbindende zur Sprache gebracht: „wie Speichen an einem Rad kommen wir einander näher, je mehr wir uns zur Nabe hinbewegen – zu Jesus Christus.“

Dem Heiligen Geist Raum geben
Dienstag und Mittwoch fanden Vorträge zum Heiligen Geist aus den verschiedenen konfessionellen Perspektiven statt: die Professorin für Dogmatik in Fribourg, Barbara Hallensleben aus katholischer Perspektive, Amos Yong aus dem nordamerikanischen Fuller Theological Seminary aus einer pentekostalen Perspektive, die Zürcher Theologin Christina aus der Au und der Berner Kirchenhistoriker Martin Sallmann aus der Perspektive der reformierten Theologie, der Präsident des St. Mellitus College in London, Bischof Graham Tomlin aus anglikanischer Perspektive und der Metropolit Serafim Joantă aus orthodoxer Perspektive. So betonte etwa Graham Tomlin, dass eine strukturelle Erneuerung der Kirche ohne eine Sehnsucht nach dem Heiligen Geist fruchtlos sei. Auch Metropolit Serafim beklagte, dass die Kirche häufig den Geist um der Strukturen willen ersticke, statt Raum für seine Entfaltung zu geben. Die Kirche sei eine Kirche des Heiligen Geistes, und die Theologie solle vom Heiligen Geist inspiriert sein. Der päpstliche Hofprediger Raniero Cantalamessa schickte eine Grußbotschaft aus Rom: „Erst in der Gemeinschaft und Einheit der Gläubigen ist der Leib Christi ganz. In der Uneinigkeit ist auch der Leib gebrochen.“ Der Pastor der Pfingstgemeinde in Caserta bei Neapel, Giovanni Traettino, sprach von seinen Begegnungen mit Papst Franziskus: „Der Weg zur Einheit läuft über Brüderlichkeit und Freundschaft.“ Ebenso sprachen Matthias Zeindler aus der Reformierten Kirche Bern-Jura-Solothurn und der Pfingsttheologe Jean-Daniel Plüss über geistliche Bewegungen in den eigenen Kirchen. An den Nachmittagen gab es Vertiefungsseminare mit den Referent/innen.

Gemeinsam betend in die Zukunft
Einer der Höhepunkte der Fribourger Studientage war der Ökumenische Gebetsgottesdienst in der St. Nikolaus Kathedrale in Fribourg. Es wurde nicht nur über den Heiligen Geist gesprochen, sondern man hat gemeinsam um das Kommen des Heiligen Geistes gebetet. Mit mehr als 800 Gottesdienstteilnehmenden war die Kirche übervoll. Zu den bereits genannten Würdenträgern kamen viele weitere leitende Persönlichkeiten aus Kirche und Akademie dazu, wie etwa der Ratspräsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes Gottfried Locher, Abt Urban Federer aus Einsiedeln, die Vize-Präsidentin der Freikirchen in der Schweiz Claudia Haslebacher, der Präsident der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK.CH) Weihbischof Denis Theurillat und der Generalsekretär der Evangelischen Allianz Matthias Spiess.
Die Gottesdienstteilnehmer/innen empfanden die Vielfalt an liturgischen Formen sowie die Möglichkeit, über die Konfessionsgrenzen hinweg gemeinsam zu beten und einander wahrzunehmen, als grosse Bereicherung.

Unter den Studientagsteilnehmern war an den drei Tagen immer wieder zu hören, dass diese ökumenische Zusammenkunft etwas Außergewöhnliches sei. Die Referentinnen und Referenten empfanden das Zusammenspiel von Theologie und Kirche sowie Glaube und Gesellschaft als bereichernd und notwendig bzw. dringlich für die gemeinsame Zukunft. Dieses Profil der Studientage könnte zukunftsweisend für die Theologie und die Kirche sein und kann als ein durch den Heiligen Geist gewirktes Zeichen der Zeit verstanden werden.