Die Neuapostolische Kirche Schweiz

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„Hoffnung auf ewiges Leben?“ - Studientagung an der Universität Freiburg
07.11.2017 / Zürich/Schweiz
Gemeinsam hatten das Institut für Ökumenische Studien der Universität Freiburg, die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Schweiz und die Neuapostolische Kirche in der Schweiz zum Studientag vom 2. November 2017 nach Freiburg eingeladen. Über 70 Teilnehmer aus verschiedenen christlichen Kirchen sowie Studierende folgten den interessanten Referaten und den praxisbezogenen Workshops.

Claudia Haslebacher, als Vertreterin der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK CH), eröffnete die Tagung und ging in ihrer Rede auf die Beweggründe ein, die zu dieser Studientagung geführt hatten. Sie sagte dazu unter anderem: „Der Umgang der Neuapostolischen Kirche mit den Fragen und Anliegen von Menschen rund um Sterben, Tod und Auferstehung führte uns zur Entdeckung, dass es dabei Ähnlichkeiten mit der Tradition der Ostkirchen gibt. Die Frage lag nahe: wie sieht das in anderen Traditionen christlicher Kirchen aus? Welche Formen, Rituale und Möglichkeiten der Begleitung von Menschen werden praktiziert und welches Verständnis von Eschatologie, von den letzten Dingen, von Tod, Sterben und ewigem Leben steckt dahinter? Diesen Fragen wollen wir heute nachgehen.“

Hoffnung auf ewiges Leben? -  Sicht aus verschiedenen Perspektiven
Den Anfang machte Manuel A. Dürr, künstlerische Ausbildung in Florenz, derzeit Student der Kunstgeschichte an der Universität Freiburg, mit seinem Referat „Hoffnung in unserer Gesellschaft? Eine Provokation.  

Ralph Kunz, Professor für Praktische Theologie an der Universität Zürich mit den Schwerpunkten Gottesdienst und Seelsorge, ging in seinen Ausführungen auf die sogenannte Bekenntnisfreiheit der Reformierten in der Schweiz ein. Dessen ungeachtet habe in den kirchlichen Bestattungen landauf landab so etwas wie eine diffuse Privateschatologie überlebt. Die vage Jenseitshoffnung  - es geht weiter - habe sich in den Grabreden bewährt.

In die neuapostolische Perspektive führt Reinhard Kiefer ein, als Theologe und Literaturwissenschaftlicher Leiter der Theologischen Dienste der Neuapostolischen Kirche International. Das Entschlafenenwesen betreffe all jene Dinge, die mit den Verstorbenen zusammenhängen. Im engeren Sinne sei damit die Praxis angesprochen, einerseits für die Verstorbenen – ähnlich wie in der Orthodoxie und im Katholizismus – betend einzutreten  und ihnen andererseits die heilsnotwendige Teilhabe an den Sakramenten zu ermöglichen.

Stefan Schweyer, Assistenzprofessor für Praktische Theologie an der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule Basel (STH Basel), sagte in seinem Referat, dass man die Position der Freikirchen in Bezug auf Leben und Tod ungefähr so skizzieren könne: „Es gibt ein Leben nach dem Tod in einem doppelten Ausgang der ewigen Trennung von Gott oder der ewigen Gemeinschaft mit ihm. Hoffnung kann daher derjenige haben, der an Jesus Christus glaubt. Der Glaube findet seinen stärksten Ausdruck in der Umkehr respektive Bekehrung und in einer an Gottes Willen ausgerichteten Lebensführung.“

Im Katechismus der römisch-katholischen Kirche steht diese Überschrift vor dem Artikel 1020, wo es heisst: „Der Christ, der sein Sterben mit dem Sterben Jesu vereint, versteht den Tod als ein Kommen zu Jesus und als Eintritt in das ewige Leben.“ Mit dieser und einigen weiteren Stellen gab Annette Mayer-Gebhardt, katholische Theologin, Seelsorgerin am Universitäts-Spital in Lausanne (CHUV) und Mitglied der dortigen Ethikkommission, einen Einblick in die römisch-katholische Perspektive hinsichtlich Tod und ewigem Leben.

Die Darstellung der orthodoxen Perspektive erfolgte durch Augustin Sokolovski. Er ist Theologe und Priester der Russischen Orthodoxen Kirche; tätig an der russischen Kathedrale der Hl. Dreifaltigkeit in Paris und am dortigen Kulturzentrum. Im Unterschied zu den christlichen Milieus in Westeuropa, wo der Glaube an die körperliche Auferstehung der Toten seit der Aufklärung faktisch zusammengeschlagen am Boden liege, werde bei den orthodoxen Christen des Moskauer Patriarchats an dieses christliche Grunddogma fest geglaubt.

Was hilft Menschen heute, im Wissen um den Tod das Leben zu gestalten?
Der zweite Teil der Studientagung gab den Teilnehmern die Möglichkeit, die Glaubens- und Lebenspraxis der verschiedenen kirchlichen Traditionen im Umgang mit Tod und Sterben sowie die Hoffnung auf ewiges Leben in Workshops zu vertiefen, zu verstehen, zu reflektieren. Die Workshops boten Raum für Diskussion und Austausch. Zu den Referentinnen und Referenten des ersten Tagungsteils kamen weitere Experten hinzu, die den Teilnehmern und Teilnehmerinnen Anteil an ihren Erfahrungen und Kompetenzen gaben: Jürg Meier sprach über „Die Trostpredigt in der Trauerfeier“, die reformierten Pfarrerinnen Martina Holder-Franz und Karin Kaspers Elekes luden ein zum Austausch über „Was trösten kann“ sowie über „Erfahrungen mit Palliative Care“.

Der Tag mündete in einen Moment der Stille, der Besinnung, des Gedenkens und des Gebetes in der Universitätskapelle. „Danke, ich habe entdeckt, wie reich unser Glaube ist“ – lautete eine der Rückmeldungen. Der Tag vermittelte, was er thematisieren wollte: nicht individueller Jenseitsegoismus, sondern ein gemeinsames Zeugnis der Hoffnung auf Leben in Gottes Ewigkeit.

Zusammenfassung der Referate der Studientagung "Hoffnung auf ewiges Leben"