Die Neuapostolische Kirche Schweiz

Reisenotizen

Woche 41 / 2019
15.10.2019 / Zürich / Schweiz
Am Dienstagmorgen ist das Ziel meiner Zugreise Winterthur, wo wir im Kreis der Apostel und Bischöfe sowie der Bezirksvorsteher/-stellvertreter im Ruhestand zusammen sein dürfen.

Aus der ganzen Schweiz treffen wir uns einmal jährlich, um über inhaltliche und organisatorische Entwicklungen und Neuerungen zu informieren und in diesem Kreis bewährter Gottesknechte einige Augenblicke Gemeinschaft zu erleben. Das Zusammensein ist wohltuend und stärkend.

Am Mittwoch geht es Richtung Süden. Da die Axenstrasse gesperrt ist, müssen wir wieder einmal durch Luzern fahren. Mit einigen Staus dauert die Reise nach Milano fast 5 Stunden - also wesentlich länger als üblich. Bischof Ivan de Lazzari ist ebenfalls in Milano. Gerne nutzen wir die Möglichkeit, um uns über die Sorgen und Freuden seiner Tätigkeit auszutauschen. Die vorgesehene Zeit ist im Nu verflogen, und wir müssen uns für den Gottesdienst bereitmachen, den wir in Kürze mit den Glaubensgeschwistern in unserer Kirche Milano-Centro erleben werden. Weil es regnet, sind die Strassen in der Grossstadt Milano mit vielen Autos verstopft, so dass wir am Schluss kaum mehr vorwärts kommen.

Dafür ist die Begrüssung einfach wunderschön. Die vielen Glaubensgeschwister sind trotz verschiedener Hindernisse angereist und geben ihrer Freude über das Wiedersehen Ausdruck. Viele Vorbereitungsarbeiten wurden in aller Stille zur Ehre Gottes erledigt, nun herrscht  Feststimmung. 

Wir erleben die Kraft der Gegenwart Gottes in der Gemeinschaft mit ihm und untereinander. Die Anwesenden nehmen die Worte Gottes konzentriert in sich auf. Der Chor mit seinen Liedern und auch der wunderschön arrangierte Blumenschmuck unterstützen das Erleben. Ein drei Wochen alter Junge darf die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. Es ist stets eine grosse Freude und berührt das Herz, solche Augenblicke erleben zu dürfen. Gott ist gegenwärtig! Am Schluss des Gottesdienstes bringen mir die Kinder ein grosses, selbst angefertigtes Plakat durch den Mittelgang nach vorne. «Benvenuto, caro apostolo Zbinden» steht in schönen Lettern, umrahmt von Sternen mit den Namen der Kinder und dem Hinweis aus den Sprüchen, Kapitel 3 Verse 5 und 6: «Confida nel Signore con tutto il tuo cuore e non appoggiare sul tuo discernimento. Riconoscilo in tutte le tue vie ed egli appianerà i tuoi sentieri.» («Verlass dich auf den Herrn von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand, sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen»). Glücklich und selig gemacht, geht es am nächsten Tag zurück nach Hause.

Ein weiteres besonderes Wochenende steht bevor. Die Gemeinde Lugano-Breganzona feiert das Jubiläum des 100-jährigen Bestehens. Neben Apostel Camenzind und Bischof de Lazzari sind auch die Bischöfe Fässler und Wihler zur Jubiläumsfeier eingeladen.

Am Samstagabend findet aus dem besonderen Anlass ein Orgelkonzert statt - ein Geschenk von zwei bekannten Organisten aus Norditalien an die Gemeinde Lugano. Es ist ein Zeichen der Dankbarkeit dafür, dass sie in unserer Kirche in Lugano ihren Schülern Orgelunterricht geben können. Die Orgel des norditalienischen Orgelbauers Mascioni in unserer Kirche ist in Kreisen der Musiker ein sehr geschätztes Instrument. Fast hundert Zuhörerinnen und Zuhörer sind um 17:00 Uhr in der Kirche versammelt. Miteinander erleben wir, was die Orgel alles an Möglichkeiten bietet. Ein eindrucksvolles und berührendes Erleben, das mit stehendem Applaus belohnt wird, was zu einer vierhändigen bzw. vierfüssigen Zugabe führt. Ein liebevoll zubereiteter Aperitif bietet anschliessend noch Gelegenheit zum Verweilen.

Ein strahlender Sonntagmorgen begrüsst uns. In froher Erwartung auf den Gottesdienst finden sich immer mehr Geschwister ein. Die Kinder überreichen mir vor dem Gottesdienst eine wunderschöne Bastelarbeit: Ein Herz mit ihren Namen und vielen kleinen Herzen mit der Aufschrift «Liebe» und Willkommensworten, die mein Herz erfreuen.

Miteinander loben und preisen wir mit Dankbarkeit und Freude unseren grossen Gott. Don Damian Spataru, ein Abgesandter des katholischen Bischofs von Lugano, beehrt uns mit seiner Teilnahme am Jubiläumsgottesdienst.

In den vergangenen einhundert Jahren hat sich auf dieser Welt vieles grundlegend verändert. Wir erleben, dass sich dieser Prozess in jüngster Vergangenheit weiter beschleunigt. Gott mit seinen ewigen Werten, seinen Verheissungen und seiner Liebe verändert sich aber nicht. Er gibt mit Freuden dem, der nach seinem Angebot fragt und es wertschätzt. Weil wir von seinem Wesen in uns tragen, tun wir das Gleiche. Ein besonders berührender Moment ist das Heilige Abendmahl für die Entschlafenen. Unsere Gedanken gehen zu all den Pionierinnen und Pionieren, die uns bereits voraufgegangen sind. 

Nach dem Gottesdienst dürfen wir nochmals bei einem reichhaltigen Aperitif für einige Zeit verweilen und uns austauschen. Das ist umso schöner, als sich heute viele ehemalige «Luganesi» im Süden der Schweiz zum gemeinsamen Gottesdienst versammelt haben.

Inzwischen ist es Sonntagabend geworden. Die letzten Gedanken sind niedergeschrieben. Nächste Woche wird es keine Reisenotizen geben, da wir für einige Tage Urlaub haben. Ich wünsche allen eine durch Gottes Gnade segensreiche Zeit.